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Ratgeber rund um Pflanzen und Garten

 

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Der Sommer in den Monaten Juni, Juli und August war in den meisten Regionen Deutschlands deutlich kühler als das langjährige Mittel und auch deutlich regenreicher. Dies haben nicht nur wir Menschen als eher unangenehm empfunden, sondern auch unsere Pflanzen, vor allem die Wärme-liebenden.

Unkräuter, Schnecken und zahlreiche andere Schadorganismen fühlten sich durchaus wohl bei diesem nass-kalten Witterungsverlauf. Aber auch so manche Gemüsekulturen konnten ihr Ertragspotenzail unter diesen Bedingungen zeigen. Dies gilt in besonderer Weise für Kohlgemüse.

Spitzkohl ist eine regionale Spezialität und auch für den Hausgarten durchaus eine Bereicherung.

Kühle Nachttemperaturen sind für Gemüsearten der kühl-gemäßigten Zone durchaus vorteilhaft und ertragsfördernd - solange sie frostfrei bleiben.

Spinat, Winterendivie und v.a. Feldsalat können Frost ertragen und ein Anbau kann auch jetzt noch in Erwägung gezogen werden. Wir hoffen auf einen sonnigen September und einen goldenen Oktober.

September bedeutet nicht nur, dass es Herbst geworden ist, sondern auch, dass die Ernte für den Winter eingebracht wird und die Vorräte aufgefüllt werden. Außerdem ist es wichtig die Kälte- und Frost-empfindlichen Pflanzen zu schützen.

 

Kräuter

Das Wachstum lässt nun schon deutlich nach. Die Nächte werden nicht nur kühler, sondern sind auch feuchter. Die Pflanzen trocknen je nach Witterung den ganzen Tag nicht mehr ab und es entwickeln sich verstärkt Pilzkrankheiten. Die Pflanzen sollten deshalb sorgfältiger kontrolliert und befallene Pflanzenteile umgehend entfernt werden.

Mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Salbei & Co. sind je nach Standort und Schutzmaßnahmen bedingt winterhart, bei Basilikum sieht das selbstverständlich ganz anders aus. Er ist nicht winterhart und sollte ggf. vollständig vor dem ersten Kälteeinbruch abgeerntet oder bei Pflanzgefäßen ggf. ins Haus gebracht werden.

Die Düngung im Freiland wird komplett eingestellt.

 

Gemüse

Die Schossgefahr ist praktisch vorbei. Was nicht geschosst ist, wird auch nicht mehr in Blüte gehen. Aber: durch die tieferen Nachttemperaturen erhöht sich die Luftfeuchtigkeit in den Gemüsebeständen deutlich. Die Blätter sind je nach Witterung oft den ganzen Tag mit einem Wasserfilm überzogen, ideal für die Ausbreitung von Pilzkrankheiten. Deshalb sollten die Wassergaben so erfolgen, dass die Pflanzen möglichst nicht nass werden oder ggf. wenigstens wieder schnell abtrocknen. Die Bestände gut durchputzen, d.h. vergilbte und abgestorbene Blätter/ Pflanzenteile schnell und regelmäßig aus dem Bestand entfernen.

Für das Lagergemüse beginnt nun die Erntezeit. Dies sind Speisezwiebel, Kartoffel, Kopfkohl, Möhre, Sellerie usw. Die Ernte erfolgt typischerweise vor dem ersten Bodenfrost, bevor die Ernteorgane platzen oder gar Fäulnis entwickeln. Die Ernte sollte möglichst vorsichtig, d.h. ohne mechanischen Stress erfolgen. Die Überwinterungsorgane der Pflanzen (Zwiebel, Knolle, Rübe) befinden sich in einem Ruhestadium und sind so sehr gut lagerfähig. Werden die Knollen, Zwiebeln oder Rüben grob behandelt, z.B. beim Umleeren mit höheren Fallstufen, dann wird die Ruhephase vorzeitig beendet und es beginnt ein vorzeitiger Austrieb, d.h. die Lagerfähigkeit ist dann drastisch eingeschränkt. Möhre sollte vor der Einlagerung nicht gewaschen werden, Kartoffel und Speisezwiebel sollten zunächst bei Temperaturen um 15 °C für eine Woche gelagert werden, so bildet sich eine feste und widerstandsfähige Schale aus, bevor sie ins kühle Lager bei tieferen Temperaturen gebracht werden.

Ganz wichtig: Gemüse darf nicht zusammen mit Obst gelagert werden, denn auch dann treibt das Gemüse vorzeitig aus! Äpfel sondern Ethylen ab und dies fördert den Austrieb von Lagergemüse.

Nun ist es auch höchste Zeit das Wintergemüse zu säen (falls nicht bereits erfolgt). Wir hoffen ausserdem auf einen schönen Altweibersommer und goldenen Oktober. Auf Pilzkrankheiten ist auch hier besonders zu achten.

Das Fruchtgemüse wird nicht mehr lange durchhalten, evtl. kann auch eine grüne Abschlussernte erfolgen und die Früchte entsprechend verarbeitet werden (z.B. als Chutney).

Abgeerntete Beete sollten vollständig geräumt werden, so dass sich nicht auf absterbenden Gemüserestpflanzen Krankheiten und Schädlinge vermehren können. Die abgeräumten Gemüsebeete können dann - wenn keine Winterkultur vorgesehen ist - noch mit einer Grüneinsaat bestellt werden, insbesondere dann, wenn ein Umgraben für diese Fläche nicht vorgesehen ist.

 

Obst

Je nach Art und Sorte beginnt nun die Ernte, wenn sie nicht bereits schon begonnen hat. Frühe Sorten weisen meist nur eine geringe Lagerfähigkeit auf und sind somit eher für den Frischverzehr bzw. die direkte Verarbeitung geeignet. Auch der optimale Erntezeitpunkt ist stark Sorten-, aber auch Witterungs-abhängig. Wie beim Lagergemüse auch, sollte die Ernte möglichst vorsichtig erfolgen, um Beschädigungen an den Früchten zu vermeiden, denn diese sind nicht selten Ausgangsort von Fäulnis.

Mit der Ernte allein ist es aber nicht getan. Auf eine ausreichende Wasserversorgung muss weiterhin geachtet werden. Eine Düngung kann als Kalium-betonte Herbstdüngung abschließend erfolgen, auf eine Stickstoffdüngung sollte aber unbedingt verzichtet werden.

Befallsherde müssen aus dem Bestand entfernt werden.

Die Nützlinge sollten nicht vergessen werden. Geeignete Überwinterungsmöglichkeiten sollten geschaffen werden.

Wer seinen Obstbestand erneuern oder erweitern möchte, sollte eine Herbstpflanzung ins Auge fassen. Da die Sommer zunehmend von großer Trockenheit geprägt sind (Wer weiß, wie das nächste Jahr wird?), gewinnt die Herbstpflanzung mehr und mehr an Bedeutung. Am besten ist es, wenn man sich von einer Baumschule aus der Region beraten lässt und von dort auch das Pflanzmaterial bezieht.

 

Ziergehölze

Auch die Ziergehölze kommen je nach Art und Sorte langsam zum Wachstumsabschluss für die diesjährige Vegetationsperiode. Auf eine Düngung sollte ab jetzt verzichtet werden, allenfalls eine abschließende, Kalium-betonte Herbstdüngung kann noch vorgenommen werden.

Auf ausreichende Wasserversorgung muss nach wie vor geachtet werden, insbesondere da, wo große Sommertrockenheit geherrscht hat (was in diesem Jahr wohl nur an wenigen Orten Deutschlands der Fall war).

Größerer Befall von Schädlingen und Krankheiten sollte beseitigt werden, d.h. aufmerksam durchputzen. Ansonsten benötigen die Ziergehölze keine besondere Beachtung.

 

Stauden

Die Blütenpracht im Staudenbeet neigt sich dem Ende zu. Ein behutsamer Rückschnitt ist angezeigt, wobei dies nicht vorschnell erfolgen sollte, sondern erst dann, wenn die Pflanzen "eingezogen" haben. D.h., alle - für die Pflanzen wichtige - Nähr- und Reservestoffe wurden in die unterirdischen Überwinterungsorgane eingelagert.

Für zahlreiche Insekten ist es hilfreich, wenn auch vollständig abgestorbene Stängel der Stauden stehen bleiben, denn sie dienen vielen Arten zur Überwinterung. Darüber hinaus haben manche Stängel, insbesondere von Gräsern, einen durchaus beachtlichen Zierwert.

Die Wasserversorgung wird deutlich zurückgefahren und die Düngung sollte - von einer Kalium-betonten Herbstdüngung abgesehen - völlig eingestellt werden.

Schädlings- und Krankheitsherde sollten nach wie vor umgehend beseitigt werden.

Falls noch Unkraut steht, muss dies unbedingt am Aussamen gehindert werden, d.h. rechtzeitig entfernen.

 

Wechselflor

Der Sommerflor neigt sich dem Ende zu. Manche Beet- und Balkonpflanzen sind sehr Kälte-empfindlich (Begonien, Edellieschen) und leiden durch tiefe Nachttemperaturen und verabschieden sich bei Frost. An ihre Stelle kommt nun die Herbstbepflanzung. Ein Substrataustausch ist nicht zwingend, kann ggf. aber von Vorteil sein, insbesondere, wenn der Sommerflor bereits nicht optimal gewachsen ist.

Einige Beet- und Balkonpflanzen, wie z.B. Pelargonie (Gärtnergeranie) oder Fuchsie vertragen durchaus tiefe Temperaturen und werden auch nicht vom ersten, leichten Frost dahingerafft. Diese können ohne weiteres - bei entsprechendem Witterungsverlauf - bis in den Oktober hinein oder sogar länger stehen bleiben. Wer will, kann diese Pflanzen sogar im Keller oder einem anderen geeigneten Raum einschlagen und überwindern.

Die Wasserversorgung muss den herbstlichen Bedingungen angepasst werden, da die Verdunstung deutlich reduziert ist und witterungsbedingt ohnehin die Luftfeuchte erhöht ist und damit Fäulnis rascher um sich greift.

Auch mit der Düngung wird man nun sehr sparsam sein. Die Herbstbepflanzung zeigt typischerweise keine großen Zuwächse und benötigt von daher auch - wenn überhaupt - nur eine sehr geringe Düngergabe. Für alle anderen Wechselflorpflanzen wird die Düngung komplett eingestellt.

 

Rasen

Wer einen Zierrasen pflegt, sollte dies fast bis nahezu zum Vegetationsabschluss weiter tun. Ein Strapazierrasen oder gar eine "Blumenwiese" wird ggf. Ende September den letzten Schnitt erfahren und nicht zu kurz geschoren in den den Winter gehen. Ist die Fläche ausreichend groß, so kann auch auf einer kleinen Teilfläche auf den letzten Schnitt verzichtet werden, so entstehen nicht nur eine abwechslungsreichere Vegetation, sondern auch zusätzliche Überwinterungsmöglichkeiten für z.B. Insekten, also insgesamt eine höhere Biodiversität im Garten.

Das Mähen erfolgt sinnvollerweise von "innen nach außen", so können sich die Insekten vor einem Tod durch den Rasenmäher nach außen retten.

Eine Abschlussdüngung wird vielfach für den Rasen empfohlen und selbst Discounter bieten entsprechende Herbstdünger für den Rasen an. Diese Dünger sind Kalium-betont und sorgen für eine bessere Winterhärte. Im September ausgebracht können sie noch ihre Wirkung entfalten. Auf eine Stickstoffdüngung sollte aber verzichtet werden, sie vermindert nicht nur die Winterhärte, sondern kann auch zur umweltbelastenden Nitratauswaschung führen.

 

Zimmerpflanzen

Viele Zimmerpflanzen, die noch im August vor allzu großer Sonneneinstrahlung geschützt werden mussten, können jetzt wieder an einen sonnigeren Platz zurück, bzw. der Sonnenschutz kann nun wieder entfernt werden.

Zimmerpflanzen, die den Sommer im Freien verbracht haben, sollten nun - je nach Kälteempfindlichkeit - wieder ins Zimmer geholt werden. Ggf. werden sie dabei vorher gut durchgeputzt und auf Schadorganismen (v.a. Schildläuse usw.) kontrolliert. Das Umtopfen sollte man sich nach Möglichkeit für das kommende Frühjahr aufheben. (Das Umtopfen verursacht meist einen Wachstumsschub, den wir jetzt im Herbst eher nicht haben wollen, wohl aber im Frühjahr.)

Der Wasserbedarf verringert sich nach und nach (kein austrocknender Wind, weniger Blattmasse) und deshalb muss auch unbedingt das Gießverhalten dem Rechnung tragen, andernfalls besteht die Gefahr, dass die Pflanzen "absaufen" und an Wurzelfäule eingehen.

Auch die Düngung sollte zurück gefahren werden, d.h. die Intervalle werden verdoppelt oder gar verdreifacht. 

Mit Beginn der Heizperiode wird die Luftfeuchte im Raum deutlich abgesenkt. Hier kann es hilfreich sein, wenn man den Pflanzen mit einem Wasser-Zerstäuber etwas Gutes tut. Gleichzeitig erhöht sich die Luftfeuchte im Raum, was auch uns und unserer Gesundheit zugute kommt.

 

Pflanzenschutz

Grundsätzlich ist der September viel feuchter als der August. In diesem Jahr könnte das anders aussehen. Trotzdem: Durch die tieferen Nacht-Temperaturen entsteht mehr Kondenswasser und die Pflanzenbestände trocknen durch den niedrigeren Sonnenstand langsamer und später ab. D.h., die Schnecken- und Pilzgefahr ist noch einmal erhöht und bedarf besonderer Aufmerksamkeit.

Dies bedeutet, befallene Pflanzenteile möglichst schnell entfernen und die Pflanzenbestände ggf. durch Ausdünnen (d.h. welke und befallene Pflanzenteile umgehend aus dem Bestand entfernen) weiterhin luftig halten.

Mit dem September ist es Herbst geworden und viele Pflanzenbestände werden abgeräumt. Dies sollte aber mit Rücksicht auf Nützlinge erfolgen, denn nicht wenige überwintern - v.a. in Staudenbeeten - in hohlen Pflanzenstängeln, d.h. diese sollten wenigstens z.T. stehen bleiben, auch wenn der Garten dann nicht ganz so ordentlich aufgeräumt aussieht.

 


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    zuletzt aktualisiert: 04.09.2021